Workshop:

Planung und Design von experimentellen Replikationsstudien

Dozierende/r:

Dr.  Frank Renkewitz (Universität Erfurt)

Termin:

Dienstag, 22. Juni, 14:00–16:00 Uhr

 

Abstract

Aus einer wissenschaftstheoretischen Perspektive ist die Bedeutung von Replikationen unstrittig: Replikationen sichern das Vertrauen in Originalbefunde, sie begründen die Möglichkeit zur Selbstkorrektur in den Wissenschaften und sie sind als Mittel der Theorieprüfung unverzichtbar. Angesichts der herausgehobenen Bedeutung von Replikationen könnte man sowohl erwarten, dass grundlegende Fragen zum Konzept der Replikation seit Langem umfassend diskutiert sind, als auch, dass fortlaufend Replikationsstudien durchgeführt und publiziert werden. Beides war – zumindest in den Sozialwissenschaften – bis vor Kurzem nicht der Fall. Dies hat sich erst in jüngster Zeit geändert. Mit wachsendem Bewusstsein für die mangelnde Replizierbarkeit zahlreicher Befunde in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen sind Replikationen zu einem eigenen Forschungsfeld geworden. Inzwischen existiert eine umfangreiche Literatur, die beispielsweise die Definition, die statistische Analyse und die Interpretierbarkeit von Replikationen thematisiert oder Richtlinien für die Durchführung von Replikationsstudien vorschlägt. Zeitgleich haben sich eigene Publikationsformate für Replikationen etabliert und es werden tatsächlich deutlich mehr Replikationsstudien veröffentlicht.

Der Workshop wird zunächst einen Überblick über diese Entwicklungen geben. Ausgehend von den verschiedenen Funktionen von Replikationen und den daraus abgeleiteten Typologien, werden anschließend alle Aspekte des Designs und der Durchführung von (direkten und konzeptuellen) Replikationsstudien behandelt und an Beispielen diskutiert. Dies umschließt unter anderem die Auswahl von zu replizierenden Originalstudien, den Bezug zwischen zugrundeliegender Theorie und Replikationsdesign, Stichprobenplanung, Präregistrierung und Dokumentation, Erfolgskriterien für Replikationen, Verfahren der statistischen Analyse sowie Interpretation und Publikation von Replikationsstudien. Schwerpunktsetzungen können sich dabei nach den Interessen der Teilnehmer*innen richten.

Der Workshop soll sowohl eine Einführung in die „Theorie der Replikation“ geben als auch eine umfassende Grundlage für die Planung eigener Replikationsstudien bieten. Er wird sich dabei auf die Replikation experimenteller Designs (insbesondere im stärker praktischen Aspekt der Planung von Replikationsstudien) beschränken.

Ziele.

  • Überblick über den aktuellen Stand der theoretischen und methodischen Diskussion von Replikationen
  • Kritische Reflexion der Möglichkeiten und Grenzen von Replikationsstudien
  • Planung eigener Replikationsstudien

Zielgruppe.

Sozialwissenschaftler*innen, die sich für die Durchführung und / oder kritische Bewertung von Replikationen experimenteller Designs interessieren

Voraussetzungen.

Keine (für Teile des Workshops sind grundlegende inferenzstatistische Kenntnisse hilfreich).

Literatur.

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